Die Sache mit dem Kaffee

Kaffee war schon immer ein selbstverständlicher Bestandteil meines Lebens und der Leute um mich herum.

Als Kind tranken ihn die Erwachsenen bei allen möglichen Gelegenheiten. Ich war davon natürlich ausgenommen, durfte nicht einmal eine Cola trinken (dies schloss sogar Kinder-Cola ein). So verband sich der Prozess des Erwachsenwerdens mit der Erlaubnis, koffeinhaltige Kalt- und Heißgetränke zu konsumieren.

Ein paar Jahre später war es dann soweit. Ich trank täglich eine oder mehrere Tassen Kaffee und gelangte bald zu den Eindruck, ohne denselben morgens nicht mehr aufstehen und wach werden zu können. Aber das schienen viele andere um mich herum auch so zu sehen. Ich war also endlich Teil einer großen Gemeinschaft mit einer legitimen Gemeinsamkeit geworden.

Zwar hörte ich hier und da, dass Kaffee in größeren Mengen nicht gesund sei, den Körper dehydriert und zum Teil sogar giftig sei, aber das ignorierte ich die letzten Jahre konsequent. So war ich dann auch nicht erst gestern der Ansicht, dass ich ohne Kaffee und den darin enthaltenen Koffein nicht richtig funktionieren würde.

Immer mehr…

Seitdem ich anfing, Vollzeit im Büro zu arbeiten, vervielfältigte und verselbständigte sich der Kaffeekonsum. Es gab in den Büros immer eine große Maschine, dann sogar einen Vollautomaten, aus dem man den ganzen Tag Tassen auch mit größerem Haltevermögen füllen konnte. Auch unterwegs gab es immer Kaffee, egal, wo ich war. Bei Übernachtungen in anderen Haushalten brachte ich mir den Kaffee (meistens löslichen Instantkaffee) sogar selbst mit.

Es war also alles in Ordnung in der Kaffeewelt. Bis zu den ersten Tagen des Jahres 2016. Ich hatte mich entschieden, Sylvester nicht zu feiern, sondern für ein paar Tage in Yoga-Urlaub an die Nordsee zu verschwinden. Die Aussicht auf ein paar Tage fernab des Alltags und üblichen Trotts schien mir die willkommenste Option zu sein, das neue Jahr zu beginnen.

Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass ich nicht in einem Hotel mit angeschlossener Yogaschule, sondern in einem richtigen Ashram untergebracht war. Dort gibt es ausschließlich Vollwertkost, Alkohol, Drogen und Tabak sind ausdrücklich nicht auf dem Gelände erwünscht. So weit, so gut.

Und es gab eine Sache nicht: Kaffee. Nach Feststellung dieser Tatsache atmete ich ein paar Mal tief durch und probierte den Tee. Da es jeden Tag wechselnde Sorten und zudem auch starkes Ingwerwasser gab, arrangierte ich mich recht schnell und trank morgens wie abends Tee. Ich entdeckte auch neue, mir bis dahin unbekannte Sorten wie Holunder und Zitronengras.

Mein Körper sah den Koffeinentzug weniger locker. Am zweiten Tag spürte ich einen bohrenden Schmerz hinter der Stirn, einen Kopfschmerz, wie ich ihn selten hatte. Dies schob ich zunächst auf die Orts/Luftveränderung (die bei mir nicht immer ganz unbemerkt von statten geht). Aber als am zweiten Tag die Schmerzen zeitweise noch stärker wurden, erinnerte ich mich an ein Video von Conni, das ich vor einiger Zeit gesehen hatte und in dem sie schilderte, wie nach ein paar Tagen Kaffeekonsum fürchterliche Kopfschmerzen auftraten.

Nachdem ich wieder zu Hause war und tatsächlich die längste Zeit ohne Kaffee nach über 15 Jahren hinter mir hatte, recherchierte ich noch ein wenig. Neben Seiten, die Kaffee absolut verteufeln und als Nervengift betiteln, fand ich noch weitere Seiten, die sich mit Entzugserscheinungen vom Kaffee beschäftigen. Im entsprechenden Wikipedia-Artikel finden sich auch einige Hinweise auf Symptome nach Kaffeentzug.

In den darauffolgenden Wochen verzichtete ich also weiter auf Kaffee.

Experimente

Auf anderen Seiten las ich, dass bei geringerem Kaffeekonsum keine oder weniger Entzugserscheinungen auftreten. Ich versuchte es also nochmal, trank an einem Tag eine kleine Tasse Kaffee mit milder Stärke (vorher hatte ich ausschließlich große Tassen mit kräftiger Stärke zu mir genommen). Aber nach einem weiteren Tag ohne Kaffee kamen die Kopfschmerzen sofort wieder und ich fühlte mich allgemein sehr unwohl. Bei einem weiteren Versuch hatte ich sogar plötzlich Muskelschmerzen am ganzen Körper, die sich ähnlich wie Muskelkater anfühlten. Ich hatte mich zu dieser Zeit aber weder beim Sport verausgabt, noch sonst etwas getan, das einen Muskelkater hätte verursachen können. Ich erinnere mich noch, wie ich gequält auf und ab wanderte, mir dann eine Tasse Kaffee gönnte und die Schmerzen innerhalb weniger Minuten plötzlich verschwunden waren.

Jetzt wurde es unheimlich. Offenbar schrie mein Körper jetzt nach dem ihm entzogenen Kaffee, mit dem ich ihm über die Jahre hinweg immer wieder zuverlässig versorgt hatte. Mein erster Gedanke war:

Wenn ich einfach jeden Tag Kaffee trinke, dann habe ich auch nie wieder Kopfschmerzen!

Irgendwie mochte ich den Gedanken nicht so richtig. Jetzt verstand ich auch besser, was Conni in ihrem Video gemeint hatte: Man begibt sich in eine Abhängigkeit. Es gefiel mir noch nie besonders, mich von Dingen, Menschen oder Situationen abhängig machen zu müssen, wenn es nicht noch Alternativen gab.

Also beschloss ich danach endgültig, dem Koffein den Rücken zu kehren. Komischerweise treten bei mir keine Entzugssymptome auf, wenn ich ausnahmsweise mal ein anderes Getränk mit Koffein zu mir nahm, wie ein Fläschchen Cola auf dem Festival oder einen Chai Latte.

Alternativen

Auf der Suche nach einer guten Alternative und leckerem Getränk zum Frühstück habe ich einige Varianten ausprobiert:

  • Kaffee Hag: Entkoffeinierter Kaffee, der genau so wie normaler Kaffee in der Kaffeemaschine zubereitet werden kann. Der Geschmack war allerdings eher mäßig.
  • Getreidekaffee, ähnlich dem Caro-Kaffee von Nestlé. Da ich keine Produkte von Nestlé mehr kaufe, habe ich mich für den Getreidekaffee von denn’s Biomarkt entschieden. Dieser ist milder als Kaffee, schmeckt auch recht gut und ist vor allem empfehlenswert für alle, die den herben Geschmack von normalem Kaffee nicht mögen. Mit ein bisschen Milch oder Hafermilch ist der Getreidekaffee ein gutes Getränk für das Frühstück oder auch für zwischendurch.
  • Lupinenkaffee. Wie der Name schon sagt, ist dies Kaffee aus Lupinen, koffeinfrei, aber trotzdem mit einem schön kräftigen Geschmack. Ich habe Café Pino von Kornkreis probiert und dies ist bisher mein Favorit. Er wird auch in der Kaffeemaschine oder dem Kaffeebereiter zubereitet.
  • Tee. Es gibt auch verschiedene Teesorten, die ein kräftiges Aroma haben. Da ich leider zu wenige wirklich mehrfach ausprobiert habe, gibt es an dieser Stelle keinen ausdrücklichen Vorschlag oder eine Empfehlung. Zitronengras z.B. gibt dem Tee eine etwas herbere Note. Es lohnt sich, verschiedene Kräutertee-Sorten einmal selbst auszuprobieren.

Bisher habe ich es nicht bereut, auf Kaffee zu verzichten und es fehlt mir auch nichts. Ich werde am morgen immer noch wach (oder nicht) und das hat nichts mit einem Getränk zu tun. Das ist ein gutes Gefühl und ein Stück mehr Unabhängigkeit.

Schlüsselerlebnis Teil 2

Eigentlich ist eine Geschäftsreise alles andere als ein Erholungsurlaub. Man hat durchgeplante Tage vor sich, oft eine längere Anreise und lässt die bequeme Jeans zugunsten von formeller Kleidung zuhause.

Zu Hause. Gutes Stichwort. Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt, wo man alles hat. Hotelzimmer sind kahl, sie sind provisorisch und unpersönlich.

An diesem einen Tag Ende September flog ich ins benachbarte Ausland zu einem zweitägigen Termin. Die Anreise verlief nach Plan und äußerst positiv, trotz des Mietwagens, der etwas größer ausfiel als das Fahrzeug, welches mir bei Buchung im Internet angekündigt wurde. Aber auch das Auffinden des Hotels (danke, liebes Navigationsgerät) und das Einchecken gingen schnell vonstatten. Ich war müde, sehr müde, als ich meinen kleinen Koffer vor dem ordentlich gemachten Hotelbett abstellte, meine Jacke an einen Haken hängte und mich erst mal umsah. Fernseher. Schreibtisch. Ein Stift, ein Block, ein Teeservice. Die Fernbedienung. Im Bad wartete eine niedliche Gummiente und jede Menge Platz für meinen Kontaktlinsenbehälter und Zahnbürste.

Trotz Müdigkeit zog ich noch ziemlich schwungvoll den Reißverschluss des kleinen Rollkoffers auf, um die Blusen für die Nacht auf Bügel zu hängen. Dafür gibt es in dem großen leeren Schrank zum Glück genug freie Kleiderbügel.

Mit der Aussicht auf ein baldiges leckeres und nicht zu teures Abendessen verlasse ich das Zimmer und laufe die große Hauptstrasse herunter Richtung Innenstadt. Morgen steht mir ein langer Tag und eine Fahrt zum Einsatzort bevor. Spätestens 6 Uhr aufstehen und zügig zum Frühstück. Ich kenne die Strecke nicht und hoffe, dass es keinen Stau gibt.

Es gibt gerade jetzt eigentlich keinen Grund, entspannt zu sein, aber ich bin es. Ich wundere mich.

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Schlüsselerlebnis Teil 1

An einem Nachmittag, ich habe frei und sitze daheim vor dem PC, browse ich mich von Videovorschlag zu Videovorschlag auf Youtube. Früher habe ich Makeup-Tutorials und alte Musikclips angesehen. Dann waren es Videos von Menschen, die MineCraft oder TheSims spielten. An einem Nachmittag, ich habe frei und sitze daheim vor dem PC, browse ich mich von Videovorschlag zu Videovorschlag auf Youtube. Früher habe ich Makeup-Tutorials und alte Musikclips angesehen. Dann waren es Videos von Menschen, die MineCraft oder TheSims spielten.
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